Wilmersdorf mit Kirche, anonyme Tuschzeichnung, 1797Im StadtTeilBuch von Berlin-Wilmersdorf finden sich folgende einführende Zeilen in die Wilmersdorfer Kirchengeschichte:

„Über die Gründung und den Bau der Wilmersdorfer und Schmargendorfer Dorfkirchen gibt es keine Urkunden. Man ist auf Vermutungen angewiesen und auf Vergleiche mit Kirchen von benachbarten Dörfern. Denn die Kirchenbücher und andere Urkunden sind erst ab 1714 lückenhaft vorhanden. Die Verwüstungen des 30jährigen Krieges (1618 - 1648), Kirchenbrände und Plünderungen haben hier wie an vielen märkischen Orten für einen fast vollständigen Verlust schriftlicher Überlieferungen gesorgt. Noch 1806/07 gehen die Wilmersdorfer Pfarrakten bis auf 5 Kirchenbücher bei einer Plünderung durch französische Soldaten verloren.

Die Pfarr zu Wilmersdorf findet sich erstmals 1293 in einer Verschreibung Markgraf Albrechts. Aber erst fast 100 Jahre später, im Jahre 1375, wird dann im Landbuch Karls IV mit Arnold Krewitz ein Geistlicher für die Kirche in Wilmersdorf genannt. Von der alten Wilmersdorfer Kirche, die 1766 abbrennt und 1772 durch einen Neubau ersetzt wird, gibt es keine Abbildungen.“ [3]

Schon sehr früh, nachweislich seit 1373, wird das Dorf Lützow, das weitgehend auf dem Gebiet des heutigen Charlottenburg liegt, durch den Wilmersdorfer Pfarrer betreut. Im Jahre 1708 wird Charlottenburg zur selbständigen Kirchengemeinde. Dafür werden die Pfarren Schmargendorf und Dahlem von dieser Zeit an von der Wilmersdorfer Pfarre mitversorgt. Die ganze Mark Brandenburg wird im Zuge der Reformation protestantisch. Die Wilmersdorfer und die Schmargendorfer Kirche werden im Jahre 1843 neu ausgebaut. Erst zu dieser Zeit wird es üblich, kirchliche Amtshandlungen mit Geld zu bezahlen. Davor wurde der Pfarrer für seine Dienste meist in Naturalien entlohnt.

Die Gründerzeit mit ihrem großen Bevölkerungswachstum führt bald zu einem Kirchenneubau. 1895 bis 1897 wird die heutige Auenkirche erbaut. Diese neue Kirche befindet sich hinter der alten Dorfkirche, die - unter Protest der Gemeinde - ein Jahr nach Fertigstellung der neuen Kirche abgerissen wird.

Um 1900 werden Grunewald, Schmargendorf und Dahlem eigenständige Kirchengemeinden. Bis zu diesem Die alte Kirche von Wilmersdorf hinter den Ulmen der WilhelmsaueZeitpunkt gibt es für das ganze Gebiet nur den Wilmersdorfer Pfarrer, der die anderen Gemeinden mitversorgt. In den Jahrhunderten von der Reformation bis zum Ende der Landgemeinde Deutsch-Wilmersdorf im Jahre 1906 hat es in der Wilmersdorfer Pfarre nur 13 aufeinanderfolgende Pfarrer gegeben. Als Pfarrer Friedrich Christoph Kriebitz 1896 seine Stelle antritt, ist er der letzte alleinige Pfarrer in Wilmersdorf. In seine Amtszeit fällt der Einbruch der neuen Zeit, mit der er, wie sein späterer Amtskollege Pfarrer Kaiser vermerkt, nur schwer Schritt halten kann. Pfarrer Kaiser charakterisiert seinen älteren Amtskollegen folgendermaßen:

„Der persönlich aller Ehren werte Konsistorialrat war der modernen Zeit innerlich sehr abhold, lebte mit seinem Herzen ganz in der alten Zeit, widmete seinem Dienst im Konsistorium viel Zeit und Interesse und lehnte jede Erleichterung im pfarramtlichen Bürodienst schroff ab. Mit seinem Küster, dem Konrektor Neisse, erledigte er alles am liebsten selbst, auch die kleinlichen Schreibereien. Im Gemeindekirchenrat führte er ein eisernes Regiment, das geduldig, manchmal auch ungeduldig, ertragen wurde.“ [4]

Dennoch ist es der Geheime Konsistorialrat Pfarrer Kriebitz, der sich für den Bau der Halenseer Kirche besonders einsetzt. 1910 wird die Kirche am Hochmeisterplatz als zweite Wilmersdorfer Kirche eingeweiht. 1929 wird die Kreuzkirche in Schmargendorf geweiht, die damals noch nicht zum Kirchenkreis Wilmersdorf gehört. 1933 kommt die Kirche am Hohenzollernplatz hinzu und 1936 schließlich die Lindenkirche.

Bis zum Ende des zweiten WelEin seltenes Bild: Die alte und die neue Wilmersdorfer Kirchetkriegs bilden die vier Wilmersdorfer Kirchen eine Kirchengemeinde mit gemeinsamem Gemeindekirchenrat in der Auenkirche. Kurz nach dem Ende des Krieges löst sich dieser Verband auf. Seitdem bestehen sie als selbständige Kirchengemeinden. 1948 wird der zu groß gewordene Kirchenkreis Kölln-Land I, der das ganze südöstliche Berlin umfasst, in die drei Kirchenkreise Wilmersdorf, Steglitz und Zehlendorf aufgegliedert. Zum Kirchenkreis Wilmersdorf gehören nun auch die Kirchengemeinden Grunewald und Schmargendorf.

Durch die Beschädigungen im 2. Weltkrieg sind außer der Schmargendorfer Dorfkirche alle Kirchen des neuen Wilmersdorfer Kirchenkreises nicht mehr benutzbar. Die Instandsetzungen ziehen sich, bedingt durch den Geld- und Materialmangel der Nachkriegszeit, sehr lange hin. 1949 kann die wiederhergestellte Auenkirche eingeweiht werden, 1951 die Lindenkirche, 1953 die Kreuzkirche, 1955 die Kirche am Hohenzollernplatz, 1956 die Grunewaldkirche und schließlich 1958 die Hochmeisterkirche.

Am 18. März 1961 findet die Einweihung der neuerbauten Vaterunser-Kirche statt. Und zuletzt entsteht 1965 die Danielkirche, als eigenständige Gemeinde vom Gebiet der Kirche am Hohenzollernplatz und der Hochmeisterkirche abgezweigt. Diese Aufteilung des Kirchenkreises besteht bis heute.

 

3. Udo Christoffel (Hg.) Berlin Wilmersdorf - Ein StadtTeilBuch, Berlin 1981, S. 81.
4. Albrecht Kaiser: Die Pfarrer von Wilmersdorf in: Gemeindebuch der evangelischen Kirchengemeinde des Kirchenkreises Wilmersdorf, Stuttgart 1955, S. 27.