Veröffentlicht am Di., 1. Feb. 2022 12:26 Uhr

Porträt-Interview mit Superintendent Carsten Bolz

Carsten Bolz ist seit vielen Jahren Superintendent des Kirchenkreises Charlottenburg-Wilmersdorf. Was ein Superintendent eigentlich genau macht, welche Herausforderungen er für die Kirche in Zukunft sieht und wie er in dieses Amt gekommen ist, erzählt er im folgenden Interview.

Was macht eigentlich ein Superintendent?

Die Grundordnung unserer Kirche sagt, dass der Superintendent als Vorsitzender des Kreiskirchenrates „für die geschwisterliche Zusammenarbeit der Kirchengemeinden, Gremien, Ämter und Dienste im Kirchenkreis“ sorgen soll. Es soll „zu klären, zu helfen und zu bessern suchen“, wenn ihm Probleme bekannt werden. Er wirkt bei Pfarrstellenbesetzungen mit und lädt zu Pfarr- und Mitarbeitendenkonventen ein. Er hat einen Predigtauftrag in einer Gemeinde des Kirchenkreises (bei mir ist das die Evangelische Trinitatisgemeinde). Und er vertritt den Kirchenkreis in der Öffentlichkeit. Das alles beinhaltet ziemlich viel Verwaltungstätigkeit, aber auch viele Gespräche mit Personal über dienstliche oder persönliche Belange. Gemeinsam mit dem Kreiskirchenrat und den beruflich Mitarbeitenden gestaltet er „Kirche“ in einem bestimmten Bereich.

2   Wer und was hat Sie religiös geprägt?

Meine „religiöse Laufbahn“ begann in Berlin in der Kirchengemeinde Mariendorf in den 70er und 80er Jahren. Dort habe ich eine „Karriere“ vom Konfi zum Teamer und GKR-Mitglied gemacht. Geprägt haben mich die damaligen Pfarrer der Gemeinde mit ihrem Engagement für Frieden und Gerechtigkeit. Später kam ich dann über die Partnerschaftsarbeit des Kirchenkreises Tempelhof mit den Partnern in Tansania in Kontakt – ein Anstoß dazu, dass ich später ein prägendes Jahr lang in Tansania Theologie studiert habe. Eine dritte Prägung erfuhr ich in meiner ersten Pfarrstelle in Charlottenburg-Nord durch die engen Kontakte zur römisch-katholischen Nachbarin Maria Regina-Martyrum. Diese drei Aspekte haben tiefe Spuren in meinem Dasein hinterlassen: der Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit, die weltweite Perspektive auf das Christsein und die ökumenische Existenz von Christinnen und Christen in dieser Stadt.

Was ist Ihnen am Glauben wichtig?

Glauben ist für mich eine wichtige Grundlage für mein Leben. Ich finde darin ein tiefes Zutrauen in Gottes bewahrendes Handeln durch die Zeiten hindurch. Mein Glaube trägt mich auch in Schwerem, weil ich vertraue, dass Gott mit dabei ist.

Wie sah Ihr Weg hin zum Amt des Superintendenten aus?

Nach meiner aktiven ehrenamtlichen Mitarbeit als Jugendlicher in der Kirchengemeinde Mariendorf entschied ich mich zum Theologiestudium in Berlin und Göttingen. Danach bin ich im Vikariat in einer Neuköllner Kirchengemeinde, beim Flughafensozialdienst am alten Flughafen Schönefeld und an einem Tempelhofer Gymnasium gewesen. Es schlossen sich 15 Jahre Pfarrdienst in der Kirchengemeinde Charlottenburg-Nord an. In den letzten Jahren davon war ich schon Mitglied im Kreiskirchenrat Charlottenburg und einige Monate amtierender Superintendent, als ich mich entschied, für das Amt des Superintendenten zu kandidieren. Dazu wurde ich von der Kreissynode gewählt und trat es am 01. Januar 2008 im Kirchenkreis Charlottenburg an, der 2014 mit dem Kirchenkreis Wilmersdorf fusionierte. 2017 wurde ich für eine weitere Amtszeit ab 2018 als erster Superintendent des fusionierten Kirchenkreises Charlottenburg-Wilmersdorf gewählt.

Welche Herausforderungen sehen Sie in der Zukunft für die Kirche?

Die Herausforderungen sind zahlreich: zum einen müssen wir mit immer mehr Verwaltungsaufgaben zurechtkommen, die sich mit den Vokabeln wie Umsatzsteueranpassung, Klima-

kümmerer oder Arbeitsschutzausschuss beschreiben lassen. Zum anderen leben wir in einer Zeit geringer werdender Mitgliederzahlen und bemühen uns schon länger darum, in zeitgemäßen Formen und Worten mit den Menschen in dieser Stadt, in unserem Kirchenkreis ins Gespräch zu kommen. Die größte Herausforderung scheint mir zu sein, dass wir Letzteres nicht hinter das Erstgenannte zurückstellen.

Was wünschen Sie sich von Ihrer, unserer Kirche?

Von meiner Kirche wünsche ich mir, dass sie einladende Kirche ist. Dazu sollen wir gar nicht warten, bis die Leute zu uns kommen. Wir machen uns selbst auf den Weg zu denen, die auf dem Weg sind. Wir nutzen dazu die Möglichkeiten unserer Tage: wir gehen hinaus auf die Märkte und Plätze; wir sind im weltweiten Netz digital dabei; wir zeigen uns ansprechbar, wo Menschen neugierig nach dem Leben fragen und nach dem, was satt macht. Und das sind oft sehr kleine Gesten: Türen aufmachen, Gelegenheiten zum Gespräch bieten, einmal mehr nachfragen, einladend Kirche sein eben! Es sind oft ganz kleine Gesten – gut, wenn sie da sind! Ganz im Sinn der Jahreslosung für 2022: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen!“ (Joh 6,37)

Das Interview führte Markus Sachse.

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