Veröffentlicht am Mi., 1. Dez. 2021 14:15 Uhr

Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr. (Sacharja 2, 14)

Die kleine Stadt Jerusalem im kargen Bergland Judäas ist noch im Aufbau, nur wenige Jahrzehnte nach der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft. Die Errichtung der Stadtmauer und der Wiederaufbau des Tempels, des Mittelpunktes der Stadt, ja des ganzen Volkes, kommt nicht recht voran. Vieles ist noch nicht fertig. Da fordert der Prophet Sacharja die Einwohner Jerusalems auf: „Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion!“. Aber viel Anlass zum Jubeln werden die Jerusalemer wohl erst einmal nicht gehabt haben. War doch bisher so wenig von dem eingetreten, was sie sich von ihrer Rückkehr erhofft hatten.

 

Geht es uns als Gemeinde derzeit nicht auch ein kleines bisschen ähnlich? Fast zwei Jahre Corona-Pandemie liegen hinter uns. Lange Zeit lag unser sonst so vielfältiges Gemeindeleben brach. Nur vorsichtig haben wir, immer mit Blick auf die geltenden Vorschriften und unter strenger Einhaltung von Hygieneregeln, wieder Gottesdienste gefeiert. Gruppen können sich zwar wieder treffen, es gab kürzlich erste Konzerte und das Theaterprojekt der Jugendlichen konnte aufgeführt werden. Aber immer noch ist nicht alles so, wie es mal war. Abstand, Maske, Beschränkung von Besucherzahlen prägen weiterhin unser Gemeindeleben. Selbst bei unserem Anbau gab es immer wieder Probleme und es ging lange nicht vorwärts.

 

Zurück zu Sacharja. Er predigt unbeirrt weiter von der neuen Zeit für Israel und die Völker, erzählt von den Bildern eines neuen Jerusalems. Einer Stadt ohne Mauern, mit vielen Menschen, die dort zusammenkommen. Und Gott selbst werde unter den Menschen sein: „Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr.“ Und alle Völker werden zu einem Volk werden. Welch eine Verheißung, welch eine Vision. Doch waren Sacharjas Visionen für die Jerusalemer nicht fernab dessen, was sie sich vorstellen konnten? Der Jubel wird wohl eher verhalten gewesen sein, gab es doch wenig, was realistisch und greifbar war. Und „real eingetreten“ sind die von Sacharja gepredigten Bilder bis heute nicht.

 

Dennoch wurden Sacharjas Visionen gewissenhaft für die Zukunft überliefert. So ist der Monatsspruch für Dezember auch einer der Predigttexte für das Weihnachtsfest. Fast noch bekannter und unmittelbar mit der Adventszeit verknüpft sind jedoch Sacharjas Worte aus dem 9. Kapitel, in dem es um die Verheißung des messianischen Friedensreiches geht. Sie finden sich im Adventslied „Tochter Zion“ wieder. Dies ist für mich eins der schönsten Adventslieder aus dem Gesangbuch. Kraftvoll, besonders wenn es mehrstimmig gesungen wird, mit Orgel, Pauken und Trompeten. „Freue dich, jauchze laut!“ So singen wir mit den Worten Sacharjas und der Musik von Georg Friedrich Händel. „Siehe, der König kommt, der Friedefürst…“

 

Da steckt die ganze Kraft der Weihnachtsbotschaft drin. Wir feiern die Geburt Jesu Christi, des Sohnes Gottes, der Mensch geworden ist. Davon haben wohl Sacharja und die anderen Propheten damals gesprochen, darin ist das Wohnen Gottes unter den Menschen zu erkennen. Wo Jesus Einzug hielt, änderte sich das Leben der Menschen. Darin entstand eine Gemeinschaft ohne Mauern. Es ist das, was auch uns als Gemeinde zusammenführt und woran wir glauben. Auch für uns heißt es: „Freue dich und sei fröhlich!“ So können wir mit festem Glauben in die kommende Zeit blicken. Mit der Hoffnung, dass die Corona-Pandemie bald überwunden ist und wir unsere Gemeinschaft wieder in allen Bereichen und ohne Einschränkungen leben können. Wenn dann im kommenden Jahr endlich unser Anbau an die Kirche fertiggestellt ist, kann auch da „der Herr kommen uns bei uns wohnen“. 

Jan Langer

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