Veröffentlicht am Do., 30. Sep. 2021 14:15 Uhr

Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken. (Hebräer 10,24)

Zuhause, in Quarantäne, am Schreibtisch vor dem Computer, in Isolation, auf Abstand – allein waren viele in dem vergangenen anderthalben Jahr der Pandemie. Und viele mussten lernen, wie schwer es sein kann, allein zu sein und merkten sehr schnell, wie sehr einem doch die Verwandten, Freunde, Arbeitskollegen – ja schlicht die Gemeinschaft mit anderen – fehlt.  Zusammen alleine, gemeinsam auf Abstand wurde zum Credo dieser Zeit und konnte doch nicht darüber hinwegtäuschen, dass uns eines fehlte: Gemeinschaft mit unseren Nächsten und Mitmenschen.

Der Autor des Hebräerbriefs hat eine genaue Vorstellung davon, wie eine solche Gemeinschaft vieler einzelner, unterschiedlicher Menschen, eine solche bunte Gemeinde aussehen und funktionieren kann. In einer solchen Gemeinschaft sollen die Menschen aufeinander achten und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.

Was zuerst vielleicht etwas absonderlich klingt – „achthaben“, „anspornen“ – das ist doch positiver gemeint, als es scheinen mag. Es geht nicht darum, einander zu kontrollieren, einander zu beobachten oder einander zu verbessern und zu ändern. Es geht darum aufeinander aufzupassen, füreinander da zu sein, ein offenes Ohr zu haben, einander bei Sorgen beizustehen, gemeinsam Gutes zu tun, den eigenen Blick für die Sorgen anderer zu weiten – kurzum: Liebe untereinander und gegenüber dem Nächsten im bestmöglichen Sinne zu leben. 

In Zeiten der Corona-Pandemie habe ich miterlebt, wie wertvoll und wie wichtig eine solche Gemeinschaft ist. Da wurde füreinander eingekauft, da wurde nach dem Wohlergehen gefragt, da schenkte man einander ein Lächeln, konnte im Gottesdienst die so rar gewordene Gemeinschaft feiern und erleben, konnte sich in den Melodien der Kirchenmusik verlieren und die Sorgen für einen kurzen Moment vergessen, freute sich über die nahenden Impftermine und war füreinander da. Ich kann für mich sagen, dass die Zeit in unserer Gemeinde in der Zeit der Pandemie zu Inseln der Ruhe, der Freude und der Sorglosigkeit im vollen Kalender, zwischen digitaler Gremiensitzung und digitaler Universität wurde und dass ich Gemeinde wieder ganz neu und auf besondere Art zu schätzen gelernt habe.

Egal wie schwer es manchmal sein mag, egal wie groß die Unterschiede sein mögen – wir sollten uns doch immer wieder ins Gedächtnis rufen, welch großes Geschenk eine solche Gemeinde ist, wie wenig selbstverständlich ein solcher Ort des Aufeinander Achtens in Zeiten des Abstands und der Hygienemaßnahmen ist und wie sehr uns eine solche Gemeinschaft durch schwere Zeit trägt.

Gemeinsam sind wir stark. Als Gemeinde, die aufeinander achtet und die einander zur Liebe und zu guten Werken anspornt.

Markus Sachse

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