Veröffentlicht am Fr., 1. Nov. 2019 00:15 Uhr

Monatsspruch November 2019: Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt. Hiob 19,25

„Obwohl ich so viel gebetet habe, ist meine Schwester so jung an Brustkrebs gestorben. Seitdem kann ich nicht mehr an Gott glauben.“ „Jahrelang lebe ich schon mit meinen Kindern auf der Flucht vor dem Krieg. Nun müssen wir auch hier wieder weg! Wo ist denn der Gott, der mir jetzt hilft?“ So viel Leid und Elend gibt es täglich auf der Welt, wie kann Gott zulassen? Auch mir sind solche Gedanken schon durch den Kopf gegangen, Sie kennen das sicher ebenso.

Ganz anders spricht Hiob, dessen Geschichte im Alten Testament erzählt wird und der die Worte findet, die als Monatsspruch über dem kommenden Monat stehen.

Hiob wird in der Bibel als aufrichtiger, gottesfürchtiger Mann beschrieben, der das Böse meidet. Er ist mit vielen Kindern gesegnet und ist sehr reich.

Aber all das verliert er. Sein Vieh wird geraubt, seine Kinder sterben alle auf einen Schlag durch den Einsturz eines Hauses. Nicht genug damit, Hiob selbst erkrankt an einer schmerzhaften und entstellenden Krankheit - aber Hiob verliert seinen Glauben nicht.

Seine Frau verspottet ihn, seine Freunde wollen ihm klarmachen, dass er gegen Gottes Gebote verstoßen haben muss, dass all dies Schreckliche eine Strafe für eine Sünde oder ein Fingerzeig Gottes oder eine Bewährungsprobe sein muss – aber Hiob bleibt sich sicher und verliert seinen Glauben nicht.

„Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt“ sagt er nach wie vor. Und „Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?“

Hiobs Gewissheit ist beneidenswert. Wie kann man nur zu so einem Vertrauen, Gottvertrauen, Weltvertrauen kommen?

Vielleicht, indem man nicht über Gott, sondern mit Gott redet! Alle anderen in der Geschichte reden über Gott, versuchen dem leidenden Hiob die Absichten Gottes und die Gründe für dessen Handeln zu erklären. Jedoch Hiob will davon nichts wissen. Er beharrt auf seinem Aber! Er sagt: Im Gegensatz zu euren Reden und Vermutungen – ich weiß es anders, ich bin sicher, dass Gott nicht boshaft und auch nicht tot ist. Am Ende wird er sich über mein ganzes Elend erheben. Zum Schluss werde ich ihn mit meinen eigenen Augen sehen.

Dann wendet Hiob sich direkt an Gott. Er beteuert, dass er sich an alle Regeln gehalten habe, dass er sich keiner Schuld, bewusst sei. Er redet mit Gott, er klagt, er ruft ihn an. Er tut dies wie die Psalmbeter, die ihre Not und ihre Bitten Gott ins Ohr schreien und ihn anflehen. Er tut dies, wie Jesus es als gläubiger Jude tut, Jesus, der am Kreuz ausruft „Mein Gott, warum hast du mich verlassen“. Und Gott antwortet. Wenn man lange genug nach ihm schreit, dann antwortet er auch uns.

Gott nimmt Hiob vor den Unterstellungen seiner Freunde in Schutz. Er rechnet nicht auf, er sagt nicht „In meinem großen Buch steht, dass du dies oder jenes Unrecht begangen hast“, aber er rechtfertigt auch nichts. Vielmehr führt er Hiob vor Augen, wie groß seine Schöpfung ist, so dass dieser am Schluss einsieht: Ich erkenne, dass du alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen, ist dir zu schwer. Ich habe ohne Einsicht geredet, was mir zu hoch ist und ich nicht verstehe.

Gottes Wege sind nicht durchschaubar. Im Leid nicht, genauso wenig wie im Glück. Wir wissen meist nicht, warum dieses Unglück, aber auch warum dieses Gute gerade diesem und nicht jenem geschieht. Auch im Nachhinein kann man die Absichten Gottes nicht deuten, selbst wenn sich das manch einer einredet. Wer sind wir kleinen Menschlein denn – auch wenn wir zum Mond fliegen können – um Gott zu durchschauen wie einen mathematischen Beweis?

Ich halte es eher mit einem Ausspruch des Mystikers Meister Eckhart: „Hätte ich einen Gott, den ich verstehen könnte, ich wollte ihn nimmer für Gott halten.“ Ich finde es tröstlich, dass wir Menschen nicht alles wissen und alles können müssen, dass wir uns zwar alle Mühe geben, aber dabei auf etwas vertrauen dürfen, das größer als wir ist, und dass wir am Ende, ganz am Schluss alle unser Tun und Lassen, auch die Scherben und das Unvollendete in Gottes Hände zurücklegen dürfen. Und manchmal dabei sagen können: Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt.

Astrid Witten


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