Veröffentlicht am Mo., 12. Aug. 2019 13:10 Uhr

Interview mit Christian Hagitte zur Uraufführung seiner Messe

Die Missa bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Störung und Heilung und drückt immer wieder Zweifel aus. Das Kyrie beginnt mit einer Pendelbewegung in kleinen Tonschritten, die später wiederkehrt. Ist sie ein Leitmotiv des Zweifels?  

Das Motiv war von Anfang an da, aber erst im Verlauf der Komposition ist mir klar geworden, dass  es Zweifel ausdrückt, Fehlbarkeit, Menschsein schlechthin. Daraus hat sich das Kyrie entwickelt. Die Musik bewegt sich in einem ruhigen Moll. Ich hab mich bemüht, dass der Chor die Dissonanzen und ihre Auflösungen gut versteht.

Das Tempo und die Rhythmuswechsel im Gloria haben es dann aber in sich.    

Das Gloria steht in klarem Dur. Es war von Anfang an geplant als eine Art Experiment, wie weit ich das Orchester zum Schwingen bringen, richtig grooven lassen kann.

Kannst du mehr über das Orchester sagen?    

Es gibt die Streichergruppe und viele Bläser. Eine besondere Rolle spielen die vier Hörner und die Percussionsgruppe mit Harfe, Glockenspiel und Xylophon. Wir müssen im Verlauf der Proben schauen, dass der Chor nicht zugedeckt wird. Das wird mit der Akustik in unserer Kirche noch eine spannende Entscheidung.

Das Grundmotiv des Credo erinnert in seiner Schlichtheit an alte gregorianische Gesänge.    

Das Credo hat ein A-Motiv (Gott) und ein B-Motiv (Jesus). Das A-Motiv ist wirklich während eines Gottesdienstes entstanden. Am Beginn des Credo steht noch einmal das Zweifelmotiv aus dem Kyrie.        Dann entwickelt sich nach mehrfachem „Credo“ eine große Steigerung bis hin zum Aufschrei „Passus sub Pontio Pilato“. Danach folgt – dramaturgisch wichtig – der erneute Verweis auf das Kyrie.    

Der Anfang des Sanctus ist experimentell angelegt. Lange Akkorde in den Männerstimmen sorgen für ein Fundament, über dem Sopran und Alt eine auf- und absteigende Engelsmelodie im eigenen Tempo entwickeln. In jeder Probe ist es anders und auch in jeder Aufführung wird es anders zu hören sein.   

Die Frauenstimmen bilden so etwas wie Wolken über den Akkorden. Es gab einen Moment im Kompositionsprozess, wo mir ganz klar war, dass das so sein sollte. Wir brauchen noch ein paar Proben, um wirklich dahin zu kommen. Aber das wird!

Bleibt noch das abschließende Agnus Dei, die „Entstörung“. Weshalb ist es der einzige Teil der Missa, in dem du eine Solostimme einsetzt?   

Die Melodie des Agnus Dei ist das Julia-Motiv aus meiner Hörspielmusik zu Romeo und Julia. Sie war im Kopf und irgendwann habe ich gemerkt, dass der Text des Agnus Dei da perfekt draufpasst. Klar war von Anfang an die Struktur, durch die dreimalige Wiederholung. Da bot sich der Wechsel zwischen Solo und Chor an. Den Anfang macht ein Harfensolo, mit dem ich die Sopranistin aus dem Sanctus quasi abhole. Vor der dritten Wiederholung erklingt das Zweifelmotiv noch dreimal und wird aufgelöst, „entstört“.

Vor der Missa wird Samuel Barbers „Adagio for Strings“ gespielt, ein Stück, das bisweilen in Filmen als Trauermotiv eingesetzt wird.   

Für mich bedeutet das Adagio nicht Trauer, sondern steht für Geborgenheit. Es bildet zusammen mit dem Agnus Dei eine Art Rahmen und macht das gesamte Konzert für mich sehr stimmig.

Das Interview führte Christin Grohn-Menard   

 

„Missa Popularis“  op. 17 von Christian Hagitte „Adagio for strings“ op. 11 von Samuel Barber

Maja Forster (Mezzosopran),

HochmeisterChor (Einstudierung Christian Höffling)

Chor und Orchester  des HochmeisterProjektes

Leitung: Christian Hagitte

Uraufführung 23.08.2019 20:00 Uhr

24.08.2019 20:00 Uhr

25.08.2019 19:00 Uhr


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