Veröffentlicht am Mo., 16. Feb. 2015 23:35 Uhr

Der Reichtum des Schweigens in der Meditation

Herzliche Einladung zum Meditationsgottesdienst am 8. März 2015 um 10 Uhr in der Hochmeisterkirche.

An diesem Sonntag können Sie, liebe Gemeindeglieder, einen völlig anderen als den üblichen Gottesdienst erleben. Es wird keine Liturgie, keine Musik und keine Predigt geben. Sondern neben einigen wenigen Meditationsworten wird es vor allem eine Zeit der Stille und Meditation sein.

Wir alle haben in uns eine Mitte der Stille, ein tiefes Schweigen, das zu unserem Wesen gehört. Das Schweigen hat nicht Anfang noch Ende. Es ist einfach da – so wie die Luft und der Himmel da sind. Von diesem Schweigen geht Helfendes und Heilendes aus. Die Evangelien berichten, dass Jesus sich regelmäßig in die Stille der Wüste zurückzog, um mit seinem Vater im Gespräch sein zu können.Damals wie heute passt das Schweigen wenig in die Welt. Zu schweigen ist nicht gefragt, es scheint nicht nützlich genug zu sein.

Ständig sind wir von Bildern, Worten und Geräuschen umgeben. Unsere laute Welt, mit Fernsehen, Computer, Handy und Reklame, verführt uns immer wieder dazu, unser Leben an vergängliche Dinge zu binden. Dadurch gehen wir an unserem tiefsten Verwurzeltsein vorüber. Wir bleiben an der Oberfläche haften, an dem, was unser Ich so gern hat.

Aber – wir sind mit einer seelischen Tiefe ausgestattet, die unser Leben erst wesentlich macht. Das „normale“ Alltagsleben ist an die Sinne und den Verstand gebunden und lässt uns glauben, mehr gäbe es nicht. Zugleich sind wir Teilhaber am göttlichen Reich, das seinem Wesen nach Hingabe, Liebe, Ausdehnung und Kreativität ist. Diese Qualitäten haben wir in unserem Leben schon erfahren und haben sie auch anderen geschenkt. Darin spiegelt sich unsere Gottebenbildlichkeit. All das, was dem Leben wirklich Wert und Tiefe verleiht, hat seinen Ursprung jenseits des Alltagsbewusstseins. Gottesdienste führen uns in die Nähe der göttlichen Welt. Den Hintergrund jedes Gottesdienstes bildet die stille Anwesenheit Gottes, die in Liedern, Liturgie und Worten gepriesen und angebetet wird.

In der Meditation richten wir unsere Aufmerksamkeit stärker auf den schweigenden Hintergrund. Wir gehen vom Wort zum Dasein. Hier ehren wir Gott durch unsere selbstlose, stille Hingabe an seine Gegenwart.

Um diese Gegenwart spüren zu können, ist es sinnvoll, sich zunächst einmal von den unsteten Gedanken, vom ständig plappernden Verstand zu befreien. Das gelingt, wenn wir Körper, Seele und Geist zur Ruhe bringen, ins Schweigen entlassen.

Dazu müssen wir lernen, ganz gegenwärtig in diesem Moment, in diesem Schweigen mit unserer Aufmerksamkeit zu bleiben und der Versuchung zu widerstehen, mit unseren Gedanken in die Vergangenheit oder die Zukunft auszuweichen. Wenn ich mich ganz dem Augenblick hingebe und nichts erwarte, wird es still in mir. Geräusche kommen und gehen, die Stille aber bleibt. Ich lausche auf die Stille und im Lauschen werde ich selbst still. Mystiker sagen: Nichts gleicht Gott so sehr, wie die Stille, wie das Schweigen. Hier brauche ich Gott nicht zu suchen, denn er ist im Schweigen anwesend. In diesem Moment der Stille ruht mein Schweigen in Gottes Schweigen und meine Seele ist geborgen in Gottes Liebe.

Wenn wir meditieren …

… erhält unser ruheloser Alltag eine Mitte und ist von innerem Frieden getragen

… können wir aus der Enge des Verstandes und der Selbstsicherung heraustreten und durch das Loslassen des Ich die Begegnung mit der tatsächlichen Gegenwart des Göttlichen erfahren.

… haben wir die Möglichkeit, die große innere Tiefe unseres Seins überhaupt zu bemerken.

Und so können wir die Kraft des Schweigens in unser Leben und in die Welt tragen.

Anna-Margarete Krätschell, Supervisorin, Therapeutin, Meditationslehrerin

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