Veröffentlicht von Timo Wolff am Mo., 15. Jan. 2018 11:33 Uhr

Es war ein wirklicher Festgottesdienst, den wir zusammen mit unseren Nachbargemeinden im Kirchenkreis Charlottenburg-Wilmersdorf am 1. Januar 2016 gefeiert haben. Anlass war die Gründung der neuen Kirchengemeinde Halensee. Nach einem zweijährigen Vorbereitungsprozess hatten die Gemeindekirchenräte der beiden Altgemeinden Jona und Hochmeister die Fusion einstimmig beschlossen. Die beteiligten Menschen - Pfarrer, Mitarbeiter und GKR-Mitglieder – kamen und kommen sehr gut miteinander aus und können in intensiver Zusammenarbeit die Gemeinde leiten und eine Vision für kirchliches Leben in Halensee entwickelt. Diese wichtige Erkenntnis aus dem Fusionsprozess hat sich im Laufe der Arbeit im gemeinsamen GKR bestätigt.

Das Gemeindeleben ist sehr aktiv, Menschen unterschiedlicher Genrationen finden ihren Platz, der Gemeindekirchenrat arbeitet harmonisch – und dennoch weiß ich, dass einige Gemeindeglieder mit Wehmut zurückblicken. Und dieser wehmütige Blick ist auf die Roscherstr. 6 gerichtet, wo sich die Jonakirche und das Gemeindehaus der ehemaligen Jona-Gemeinde befinden. Die Gemeindekirchenräte beider Altgemeinden haben beschlossen, dass diese Immobilie und dieses Grundstück nicht mehr gemeindlich genutzt werden, sondern in das Finanzvermögen der fusionierten Gemeinde überführt werden. Diese Überführung ist ein schwieriger und langwieriger Prozess. Das Grundstück wird in Erbpacht abgegeben werden, das Gebäude wird an den Erbpächter verkauft werden. Bei der Suche nach einem Erbpächter spielen nicht nur finanzielle Aspekte eine Rolle. Auch die Fragen, ob ein Erbpächter aus dem kirchlich-sozialen Bereich kommen sollte oder ob er das Gebäude erhalten sollte, werden intensiv diskutiert.

Einige, die wehmütig zurück blicken, empfinden diesen Vorgang als unfreundlichen – mindestens aber unsensiblen Akt. Niemand, der die Gemeinschaft einer Kirchengemeinde erlebt und genossen hat, wird den Schmerz abtun können, der mit der Aufgabe eines solchen Standortes verbunden ist. Ein Ort, an dem getauft und getrauert wurde, an dem kleine Andachten und große Festgottesdienste gefeiert wurden, an dem diskutiert und gebetet wurde. Nicht weil wir diese Gefühle nicht ernst nehmen, halten wir an diesem Beschluss fest, sondern weil wir auch zukünftigen Generationen die Möglichkeit geben wollen, diese gemeinschaftlichen Glaubenserfahrungen zu machen.

Es ist kein Geheimnis, die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt ständig; nur noch 25% der Berliner sind Mitglied einer der beiden großen Kirchen. Aufgrund der guten Konjunktur, der Einkommensstruktur der Kirchenmitglieder und der zunehmenden nachgelagerten Rentenbesteuerung hat diese Entwicklung in den letzten 10 Jahren zu keinen signifikanten Einnahmerückgängen geführt. Das wird sich nach Einschätzung der Landeskirche in den nächsten Jahren drastisch ändern. Bis 2025 wird ein Rückgang der Kirchensteuereinnahmen um 25 Prozent erwartet.

Gleichzeitig – und das ist die gute Nachricht – erleben wir eine kontante Nachfrage nach kirchlichen Angeboten. Insbesondere unsere Bildungseinrichtungen (Gemeindekindergärten und konfessionelle Schulen) und unsere diakonischen Angebote werden geradezu überrannt. Übervolle Kirchen an Weihnachten, gut besuchte besondere Gottesdienste im Kirchenjahr, der Zulauf in Gemeindegruppen (z.B. unserer Jugendarbeit), die rege Beteiligung an Veranstaltungen in unserer fusionierten Gemeinde, der erfolgreiche Start von „Laib und Seele“ – all das zeigt: Wir werden gebraucht. Um diesem unseren Auftrag gerecht zu werden, müssen wir unsere Einnahmesituation unabhängiger von den Kirchensteuereinahmen gestalten. Wir laden alle ein – auch diejenigen die wehmütig zurück blicken: Helfen Sie uns dabei, Kirche in Halensee für die Zukunft zu bauen!

Timo Wolff

Am 1. Januar 2016 entstand aus den beiden Altgemeinden Jona und Hochmeister die Kirchengemeinde Halensee. Zwei Jahre nach der Fusion ziehen drei Autoren Bilanz. Lesen sie außerdem:

  • Jürgen Wandel, bis zum 31.12.2015 Vorsitzender der Gemeindekirchenrates der Jonagemeinde, lobt unter der Überschrift Kirche muss bleiben die Zusammenarbeit im neuen Gemeindekirchenrat und plädiert für eine Abgabe der alten Jonakirche an eine andere christliche Glaubensgemeinschaft. 
  • Jutta Schreur, früher Pfarrerin an der Jonakirche, heute in der Kirchengemeinde Halensee, hat kritische und lobende Stimmen aus der Gemeinde gesammelt. Ihren Beitrag stellt Sie unter eine Zeile des Liedermachers Wader Hannes‘: dass nichts bleibt, dass nichts bleibt, wie es war




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