Veröffentlicht am Mo., 15. Jan. 2018 11:29 Uhr

So hat es schon zu Beginn seiner Laufbahn Hannes Wader gesungen, und es gilt auch für unsere Kirchengemeinden.  Für die Jonagemeinde war es kein leichter Schritt, als sie vor zwei Jahren die Fusion mit der Hochmeisterkirche zur neuen Gemeinde Halensee vollzog. Aber der Einsicht, dass es ein notwendiger Schritt war, konnte sich die Mehrheit der aktiven Gemeindemitglieder nicht verschließen. Wie fühlt es sich jetzt, nach zwei Jahren, für sie an in der neuen Gemeinde? 

Die meisten reden nicht gern darüber, und die es tun, wollen nicht unbedingt ihren Namen in der Zeitung lesen. Zu den Ausnahmen gehört Klaus Brockmann. Was aber, so erzählt er schmunzelnd, auch damit zu tun hat, dass er die Gemeinde erst im Übergang so richtig kennenlernte, als er nämlich mit seinem langjährigen Lebenspartner darüber nachdachte, diese Lebenspartnerschaft  eintragen und kirchlich segnen zu lassen. Das geschah dann auch. So kamen beide gleich richtig mit hinein in die neue Gemeinde und sind seitdem regelmäßig im Gottesdienst, besuchen die Konzerte und andere Veranstaltungen, und Klaus Brockmann engagiert sich bei Laib und Seele. Beide fühlten sich von Anfang an mit großer Offenheit willkommen geheißen und sind in der Gemeinde zu Hause.

Auch Brunhilde May, Jonamitglied der ersten Stunde, macht sich mit ihrem Rollator immer wieder auf den für sie nun doppelt so langen Weg zur Kirche; sie hat, wie einige andere „Ehemalige“, auch die Einladungen zur Geburtstagsnachfeier wahrgenommen, aber „Es ist schon ganz schön beschwerlich“, meint sie. Ja, sie wisse schon, dass ein Fahrdienst angeboten werde, „aber man möchte doch so ungern zur Last fallen und jemandem extra Arbeit machen.“ (Es sei an dieser Stelle allen noch einmal gesagt: Scheuen Sie sich nicht davor, um diesen Fahrdienst zu bitten! Wir freuen uns, wenn Sie kommen und holen Sie gerne ab!) Brunhilde May wird oft von Sabine Burkhard begleitet, beide haben auch beim Gemeindefest Saus und Braus mitgefeiert, sich aber ihren Kuchen dann lieber mit nach Hause genommen: „Das war uns einfach zu viel Gedränge.“ 

Die Hochmeisterzeitung lesen sie regelmäßig und informieren sich über das Gemeindegeschehen, finden es, wie etliche andere, aber sehr bedauerlich, dass im früheren Jonagemeindegebiet die Zeitung nicht ausgetragen wird. Dadurch, so der Tenor der Stimmen, fühle man sich doch wie Gemeinde zweiter Klasse und ein wenig abgehängt. Auch, dass die Zeitung ihren alten Namen beibehalten hat, gefällt nicht allen. 

Dass die Zeitung seit der Fusion lebendiger und gemeindenäher geworden sei, darüber freuen sich wiederum Gemeindemitglieder der ehemaligen Hochmeistergemeinde, die auch sonst kaum Probleme mit der Fusion haben. „Als hätten wir schon immer zusammengehört“ habe es sich für sie angefühlt, erzählt Bärbel Tech, im Gemeindekirchenrat und in vielen weiteren Gemeindebereichen tätig. Ohne große Anlaufschwierigkeiten und Probleme habe sie den Fusionsprozess erlebt, mit viel Offenheit auf beiden Seiten. Sowohl auf der „offiziellen“, der GKR-Ebene, als auch bei Gemeindefahrten, Seniorenkreis usw.

Aber neben diesen positiven Erfahrungen gibt es nach wie vor auch eine nicht immer leise Wehmut bei denen, die sich nach den Zeiten zurücksehnen, in denen gefühlt „alles besser“ war, und es gibt Ängste, wie lange die Angebote, die noch ihren Standort in der Roscherstraße haben, bestehen werden. Noch findet ja ein Abendgebet alle zwei Wochen statt, PC-Kurse, wöchentlicher Mittagstisch, Gedächtnistraining.  Was aus dem Haus wird, ist deshalb nicht nur für den GKR eine wichtige Frage, die mit entsprechender Sorgfalt behandelt wird. Das braucht Zeit. Klar ist aber, dass auch hier auf Dauer nichts bleibt, wie es war, sondern etwas Neues beginnen wird. Das ist, bei aller Wehmut, eine Chance, die wir nutzen sollten. Gemeinsam.  Als Evangelische Kirchengemeinde Halensee. Für alle, die in unserem Gemeindebereich leben.

Jutta Schreur 

Am 1. Januar 2016 entstand aus den beiden Altgemeinden Jona und Hochmeister die Kirchengemeinde Halensee. Zwei Jahre nach der Fusion ziehen drei Autoren Bilanz. Lesen sie außerdem:

  • Jürgen Wandel, bis zum 31.12.2015 Vorsitzender der Gemeindekirchenrates der Jonagemeinde, lobt unter der Überschrift Kirche muss bleiben die Zusammenarbeit im neuen Gemeindekirchenrat und plädiert für eine Abgabe der alten Jonakirche an eine andere christliche Glaubensgemeinschaft.
  • Timo Wolff, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates der Kirchengemeinde Halensee, geht in seinem Beitrag auf diejenigen ein, die die Auf- und  Abgabe des Standortes in der Roscherstr. (ehemaliges Gemeindehaus und Kirchgebäude der Jonagemeinde) kritisieren: Kirche in Halensee für die Zukunft bauen


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