Veröffentlicht am Mi., 10. Jan. 2018 14:56 Uhr

In der Fremde sein, das kann heißen: Die Sprache nicht zu verstehen, nicht zu wissen, wie man den Fahrscheinautomaten bedient, keine Ahnung zu haben, was das für ein Gericht ist, auf das man in der Speisekarte tippt.

Sich fremd fühlen – das geht auch zu Hause auf vielerlei Weise: Auf einer Feier zu merken, dass man ganz unpassend gekleidet ist, in einer neuen Gruppe gar nicht zu wissen, worüber die anderen eigentlich reden, „Sie“ und „Frau Müller“ zu sagen und dann zu merken, dass alle übrigen sich duzen und mit Vornamen anreden.

Die eine wird vielleicht ausgegrenzt, weil sie äußerlich anders ist: Eine ungewohnte Frisur oder Hautfarbe, eine sichtbare Behinderung, Humpeln, ein krummer Rücken. Der andere beträgt sich merkwürdig, redet vielleicht vor sich hin, behält in der Kirche den Hut auf oder spuckt auf den Boden.

Unsere Vorbereitungsgruppe stellt in diesem Jahr in den Passionsandachten und im Tischabendmahl drei Außenseiterinnen und ihre Begegnung mit Jesus vor.

Die Frau, deren Geschichte die Reihe eröffnet, ist eine Jüdin, die sich in ihrer Gemeinde fremd, ja geradezu geächtet fühlt, denn sie ist krank. Sie leidet seit Jahren an einer unstillbaren Blutung und gilt damit als unrein. Sie darf nicht in den Tempel, darf niemanden berühren – eine Ausgestoßene. Aber sie verzweifelt nicht in ihrer Isolation, sondern traut sich etwas nie Dagewesenes.

In der zweiten Andacht treffen wir eine andere Außenseiterin, eine gesellschaftlich geächtete Frau: eine Prostituierte, die es wagt, ein Tischgespräch von jüdischen Gelehrten zu sprengen.

Beim Tischabendmahl schließlich tritt eine Frau auf, die nicht zur jüdischen Gemeinschaft gehört und dennoch mit beispielloser Hartnäckigkeit Jesus um Hilfe für ihre schwerkranke Tochter bittet.

Alle drei Frauen zeigen großen Mut und geradezu trotzige Beharrlichkeit. Und Jesus erkennt ihre Entschlossenheit und Unerschrockenheit an. Auch er setzt sich über traditionelle Tabus hinweg, wendet sich ihnen zu und geht auf ihr jeweiliges Anliegen ein.

So wollen wir uns an den drei Frauen ein Beispiel nehmen und etwas wagen, um das Fremde uns selbst vertraut zu machen, andere in ihrer Andersartigkeit anzunehmen, ihnen die helfende Hand hinzustrecken und ihnen aus ihrer Außenseiterrolle herauszuhelfen. Wir wollen uns ermutigen lassen, im Vertrauen auf Jesus beharrlich um Hilfe für andere zu bitten.

Astrid Witten (für das Vorbereitungsteam)

Auch in den Taizé-Andachten in der Passionszeit hören wir von mutigen Fremden, die von Jesus gar nicht als Fremde betrachtet werden.

Passionsandacht 23.02.18, 18 Uhr
Jesus heilt eine Frau (Lk 8, 40 – 48)

Taizé-Andacht 16.02.18, 18 Uhr
Jesus erzählt vom barmherzigen Samariter (Lukas 10, 25-37)

Passionsandacht 09.03.18, 18 Uhr
Jesus spricht einer Frau Vergebung zu (Lk 7, 36 – 50)

Taizé-Andacht 16.02.18, 18 Uhr
Jesus und die Samariterin (Johannes 4, 3 -14)

Tischabendmahl 23.03.18, 18 Uhr
Jesus belohnt das Vertrauen einer nichtjüdischen Frau (Mt 15, 21-28) Wir laden zu einem besonderen Abendmahl an festlich gedeckten Tischen in einer Runde im Kirchraum ein.

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