Veröffentlicht am Fr., 1. Jul. 2022 00:00 Uhr

Meine Seele dürstet nach Gott, dem lebendigen Gott. (Ps 42, 3)

Eine unberechenbare Klimakatastrophe, eine verheerende Corona-Pandemie, ein brutaler Angriffskrieg Russlands in der Ukraine – Gründe zum Verzweifeln, zur Sorge haben wir dieser Tage genug. Und mit jeder neuen Schreckensmeldung von den Kriegsschauplätzen in der Ukraine, mit jedem neuen Bericht über die Folgen des Klimawandels und mit jeder neuen Veröffentlichung der Zahlen der Corona-Erkrankten breitet sich das Gefühl der Ohnmacht, die Sorge um unsere Zukunft und eine Sehnsucht nach Gott aus.

Denn wo ist Gott in all diesem Leid? Warum scheint Gott gerade jetzt so fern, wo wir ihn doch eigentlich so sehr brauchen? Und wann werden wir das Frieden verheißende Angesicht Gottes schauen?

In eben solchen Zeiten, Zeiten der Not, der Sorge und des Leids schreiben die Söhne Korachs ganz zu Beginn des zweiten Buchs der Psalmen von Verlangen, Schmerz und Sehnsucht. Von dem Verlangen Gottes Gegenwart zu erleben, von dem Schmerz der Seele, die Gott so dringend braucht, wie der lechzende Hirsch das frische Wasser und von der Sehnsucht, Gottes Angesicht zu schauen:

„Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?“

In Zeiten der Not, der Bedrängnis und der Sorge, in denen Gott fern scheint, stellt uns dieser Psalm auf die Probe. Was bedeutet uns Gott eigentlich? Ist die Nähe Gottes und die Gemeinschaft mit ihm wirklich unentbehrlich? Und bricht unser Glaube, brechen die Stützen und Grundfesten unseres Glaubens zusammen, wenn sich unsere Lebenssituation, unsere äußeren Umstände ändern?

Diese Fragen, diese Unklarheit und diese Uneindeutigkeiten können hart sein und können schmerzen, stellen sie alte Gewissheiten doch grundsätzlich auf den Prüfstand und rütteln sie an den Grundfesten unserer Überzeugungen. Doch ganz egal wie schmerzhaft und einschüchternd dieser Prozess des Fragens und der Ungewissheit doch ist – wir dürfen unseren Kopf nicht hängen lassen, wir dürfen nicht verzagen, unsere Stimme, die Gott lobt und preist, darf nicht verstummen und wir dürfen unser Hoffen und Zutrauen auf Gottes Gnade und Barmherzigkeit nicht verlieren. Ganz im Gegenteil, wir sollen unseren Blick im Glauben empor zu Gott lenken, wir sollen uns ihm anvertrauen und unsere Sorgen und Nöte vor ihn bringen. Denn bei allen Unklarheiten und Uneindeutigkeiten dieser Welt haben wir  doch stets eine Gewissheit: Gott nimmt sich unserer an, Gott ist in allem Leid und in aller Not bei uns, Gott wendet uns sein Angesicht zu und schenkt uns seinen Frieden.

Markus Sachse

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